Borromäus-Hospital wendet sich mit offenem Brief an Karl Lauterbach

Kritik: Pflegebonus-Gesetz berücksichtigt nicht alle Krankenhäuser und Berufsgruppen


Setzen sich für eine gerechte Verteilung des Pflegebonus ein (von links): Sarah Sebeke (Krankenhausleitung), Hans Schute (Mitarbeitervertretung), Jeanne Massamba (Zentrale Notaufnahme), Matthias Fühner (Mitarbeitervertretung), Andreas Dörkßen (Pflegedirektor), Angela Duwe (Kreißsaal), Robert Krüger (OP), Dr. Dietrich Keller (Ärztlicher Direktor). © Henschel/Borromäus Hospital
Setzen sich für eine gerechte Verteilung des Pflegebonus ein (von links): Sarah Sebeke (Krankenhausleitung), Hans Schute (Mitarbeitervertretung), Jeanne Massamba (Zentrale Notaufnahme), Matthias Fühner (Mitarbeitervertretung), Andreas Dörkßen (Pflegedirektor), Angela Duwe (Kreißsaal), Robert Krüger (OP), Dr. Dietrich Keller (Ärztlicher Direktor). © Henschel/Borromäus Hospital

Mit dem Pflegebonus-Gesetz möchte die Bundesregierung die Leistungen der Pflegenden während der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr anerkennen. Zahlreiche Krankenhäuser und ganze Berufsgruppen gehen dabei allerdings leer aus. Dies ist auch in Ostfriesland der Fall. Deshalb erhält in den nächsten Tagen Gesundheitsminister Karl Lauterbach Post aus dem Borromäus Hospital Leer, wie das Krankenhaus in einer Pressemitteilung bekannt gibt. 

Die Krankenhausleitung Sarah Sebeke, Ärztlicher Direktor Dr. Dietrich Keller, Pflegedirektor Andreas Dörkßen, die Mitarbeitervertretung, repräsentiert von Matthias Fühner und Hans Schute, fordern nun stellvertretend für die betroffenen Mitarbeitenden in einem offenen Brief, Handlungsbedarf. „Wir sind uns alle einig: Es sollten alle Mitarbeitenden berücksichtigt werden, die bei der Patientenversorgung eine Rolle spielen, einzelne Berufsgruppen sollten nicht ausgegrenzt werden“, sagt Andreas Dörkßen. Sie alle stellten sich jeden Tag gleichermaßen der Corona-Pandemie entgegen. 

Jan Brants, Melina Gattung und ihre Kollegen arbeiten in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) im „Borro“. Die Patientenzahlen und die Belastung seien in Corona-Zeiten auch in der Notaufnahme gestiegen. Seit April würden im Vergleich zum Vorjahr monatlich 300 Patienten mehr versorgt. Eine Entspannung der Situation habe es im Sommer nicht gegeben. Rund 20.000 Patienten werden jährlich vom ZNA-Team behandelt. „Das Personal in der Notaufnahme ist angehalten in einem besonders hohen Maße auf seinen Eigenschutz zu achten, da jeder Patient mutmaßlich infiziert sein könnte. Das Tragen und häufige Wechseln von Schutzkleidung und FFP2-Masken stellt eine zusätzliche hohe physische und psychische Mehrbelastung dar“, berichtet Jan Brants. Vom Pflegebonus profitieren Brants und seine Kollegen allerdings nicht. Ebenso wenig wie andere Berufsgruppen im Krankenhaus wie beispielsweise Reinigungskräfte, Pflegeassistenten, Hebammen oder OP-Pflegepersonal usw. Denn sie alle gehören nicht zu den bettenführenden Stationen. 

„Wir begrüßen ausdrücklich die finanzielle Hilfe für die Kolleginnen und Kollegen, die am Bett in der Pflege ihren Dienst tun. Allerdings gehen Mitarbeitende, die in gleichem Maße in der Pflege tätig sind und in Berührung mit Corona-Patienten kommen, leer aus“, berichtet Krankenhausleitung Sarah Sebeke. Dabei sind beispielsweise ZNA-Mitarbeitende seit Beginn der Pandemie für viele Corona-Patienten die erste Anlaufstelle im Krankenhaus. „Wir als Notfallpflege wurden ungerecht behandelt und sehen diesen nicht gezahlten Pflegebonus als mangelnde Wertschätzung unserer Abteilung und unserer Arbeit an“, berichtet Melina Gattung. Fassungslos, frustriert und enttäuscht stehe man der politischen Entscheidung gegenüber. 

„Der Pflegebonus ist gut gemeint, aber nicht gut gemacht, wenn nicht alle gleichermaßen dieselbe Wertschätzung erfahren“, erläutert MAV-Vorsitzender Matthias Fühner. „Pflege bleibt für uns immer Pflege – unabhängig davon, ob Patientinnen und Patienten auf den Allgemeinpflegestationen betreut und begleitet werden oder von Mitarbeitenden aus der Zentralen Notaufnahme, Hebammen oder Pflegeassistenten“, heißt es in dem offenen Brief, den die Mitarbeitervertretung und Krankenhausleitung in Zusammenarbeit mit betroffenen Mitarbeitenden gemeinschaftlich an den Gesundheitsminister adressieren. 

Aus eigener Kraft sieht das Borromäus Hospital Leer sich nicht in der Lage, die finanzielle Ungleichbehandlung auszugleichen, da neben der Pandemie weitere Themen wie die steigenden Energiepreise und Materialkosten drücken. Am Ende möchte man ein Zeichen setzen, für Gleichbehandlung, wirkliche Wertschätzung und angemessene Honorierung. „Die pflegenden Mitarbeiter sind wütend bezüglich dieser Ungerechtigkeit. In dieser ohnehin angespannten überbelasteten Arbeitssituation auch finanziell benachteiligt zu sein, ist enttäuschend […]“, heißt es in dem offenen Brief.