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Bei Schockanrufen werden vorwiegend ältere Menschen mit psychisch belastenden und Angst auslösenden Behauptungen konfrontiert. Symbolfoto: Pixabay
RZ. Ostfriesland - 19. November 2021

Seniorinnen werden zu Opfern von Schockanrufen

Hohe Geldbeträge an Betrüger übergeben

Zwei Seniorinnen aus Emden und Westoverledingen sind zu Opfern von Schockanrufen geworden. Eine 76-jährige Emderin übergab Bargeld in Höhe von 26.000 Euro an einen Betrüger, eine 79-jährige Westoverledingerin einen vierstelligen Betrag.

Nach Angaben der Polizeiinspektion Leer/Emden kam es in der Region am Donnerstag zu einer Häufung von sogenannten Schockanrufen. Bei dieser Art des Telefonbetrugs werden vorwiegend ältere Menschen mit psychisch belastenden und Angst auslösenden Behauptungen konfrontiert. Ziel der Täter ist es, die Opfer unter Druck zu setzen, damit sie zur Lösung des vermeintlichen Problems hohe Geldzahlungen tätigen.

In dem Fall in Emden gab sich eine Anruferin mit einer weinenden Stimme als die Tochter der Geschädigten aus und behauptete, einen tödlichen Unfall verursacht zu haben. Im weiteren Verlauf wurde das Gespräch von einer Person übernommen, die sich als Polizeibeamter der Polizei Stade vorstellte und mitteilte, dass die Tochter der Emderin als Unfallverursacherin ins Gefängnis müsste. Nur mit einer Kautionszahlung in Höhe von 40.000 Euro sei eine Haftverschonung möglich. Zur Klärung der Sachlage nannte die Geschädigte ihre Handynummer und gab auch ihre Kontoverbindung an. Über diese Handyverbindung nahmen die Täter weiteren Kontakt auf und bauten den Druck auf die Frau stetig aus, bis die 76-Jährige ihre Bank aufsuchte und eine Summe von 26.000 Euro aufbrachte. Weitere Anweisungen der Täter führten die Frau bis nach Leer, wo sie den Betrag dann an eine angebliche Kontaktperson übergab. Erst danach nahm die Geschädigte Kontakt zu ihrer Tochter auf und erfuhr so, dass sie Opfer einer Betrugstat geworden war.

In einem weiteren Fall gaben sich betrügerische Anrufer gegenüber einer Westoverledingerin als Staatsanwaltschaft Oldenburg aus und behaupteten ebenfalls, dass die Tochter einen tödlichen Unfall verursacht habe und eine Kautionszahlung fällig sei. Das veranlasste die Geschädigte zur Übergabe eines vierstelligen Betrages, der von einer unbekannten Person direkt bei der 79-Jährigen zu Hause abgeholt wurde.

Die Polizei weist in diesem Zusammenhang daraufhin, dass diese aus anderen Ländern bekannte Form der klassischen Haftkaution in Deutschland nicht üblich ist. Nach Verkehrsunfällen werden keine Beteiligten inhaftiert und müssen daher nicht freigekauft werden. Die Polizei oder die Staatsanwaltschaft fordern keine Sofortkautionen am Telefon von Angehörigen. Es wird dringend angeraten, bei Anrufen von fremden Personen niemals persönliche oder Kontodaten herauszugeben. Da die Täter über Mobilfunkverbindungen Dauerkontakt zu den Opfern halten, wird dringend empfohlen, niemals die Handynummer an fremde Personen herauszugeben. Betroffene sollten sofort unbedingt Kontakt zur Familie aufnehmen. Ebenfalls ist es ratsam, diese Art von Betrugsanrufen mit älteren Familienmitgliedern zu thematisieren und einen Ablaufplan für solche Fälle zu erstellen.

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