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Eine halbe Stunde vor dem Einsturz der Zwischendecke hatten Bewohner und Betreuungskräfte sich noch zum Abendessen in dem Gruppenraum befunden. Foto: Kreisfeuerwehr Aurich
RZ. Bedekaspel - 09. Juli 2021

Decke in Behinderten-Wohnstätte eingestürzt

Großeinsatz mit 166 Kräften in Bedekaspel

Am Donnerstagabend lief ein Notruf in der Kooperativen Regionalleistelle Ostfriesland aus Bedekaspel (Südbrookmerland/Kreis Aurich) aus dem Warfsweg auf, der 166 Einsatzkräfte ausrücken ließ. In dem Notruf wurde der Einsturz einer Wohnstätte für Menschen mit Behinderungen mitgeteilt, sodass davon ausgegangen werden musste, dass 20 Personen verschüttet sind. Um 20.30 Uhr wurden somit die Feuerwehren Wiegboldsbur und Uthwerdum, die Bergungsgruppe des Technischen Hilfswerks (THW) Norden, der Rettungsdienst des Landkreises Aurich, der Rettungshubschrauber Christoph 26, die MANV-Sondereinheit Patientenablage des Landkreises Aurich (Zusammenschluss vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Aurich und der Johanniter-Unfallhilfe (JUH) Aurich), sowie die Polizei mit diversen Einheiten und die Notfallseelsorge des Kirchenkreis Aurich alarmiert.

Beim Eintreffen der ersten Feuerwehrkräfte stellte sich heraus, dass alle Bewohner der Einrichtung bereits durch das Personal der Wohnstätte evakuiert worden waren. Verletzte gab es keine, lediglich leichte Aufregung und unterschwellige Panik war festzustellen, so die Feuerwehr in einer Pressemitteilung. Mitarbeiter der Einrichtung und herbeigeeilte Nachbarn beruhigten die 20 Bewohner bereits. Einsatzkräfte der Feuerwehr unterstützten bei der Betreuung, bis der Rettungsdienst, das DRK und die JUH die Betreuung übernahmen. Parallel dazu wurde das Gebäude erkundet, um sicher zu gehen, dass sich tatsächlich keine Personen mehr darin befanden. Festgestellt wurde eine in einem großen Gruppenraum komplett herabgestürzte Zwischendecke. In dem Raum hatte sich die Bewohnergruppe etwa eine halbe Stunde zuvor zum Abendessen getroffen. Zum Zeitpunkt des Einsturzes befanden sich die Bewohner und das Personal bereits auf den Zimmern und in anderen Räumen der Einrichtung.

Da mehrere stromführende Leitungen bei dem Einsturz beschädigt wurden, wurde auch der Energieversorger alarmiert, um das Gebäude stromlos zu schalten. Feuerwehr und THW begutachteten das gesamte Gebäude und alarmierten den Baufachberater des THW Aurich, um eine eventuelle Nutzung des intakten Gebäudeteils zu prüfen. Es wurde jedoch eine Instabilität des alten Landhauses festgestellt, die eine weitere Nutzung zunächst nicht zulässt.

Im nahezu direkt anliegenden Gemeindehaus der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Bedekaspel kamen die Einrichtungsbewohner mit Hilfe des Einrichtungspersonals, Nachbarn und den Einsatzkräfte des DRK und der JUH zunächst unter. Rasch musste Klärung geschaffen werden, wo die Bewohner über Nacht untergebracht werden konnten. Die Pension Ubben des Pony- und Pferdehofes Ubben in Bedekaspel bot sofort Unterstützung an, da die Betreiberin bereits Hilfe vor Ort leistete. Die Einrichtungsbewohner wurden durch Mitarbeiter der Behinderteneinrichtung in die Pension gefahren. Da einige Bewohner spezielle Betten benötigen, wurden diese durch das THW und die Feuerwehr aus dem geschädigten Gebäude geborgen und mit einem Lkw zur Pension gefahren.

Das beschädigte Gebäude wurde mit Bauzäunen der Gemeinde Südbrookmerland gesichert. Zwei Mitarbeiter der Gemeinde sowie Feuerwehr und THW bauten die Zäune gemeinsam auf. Um 23.30 Uhr waren alle Bewohner der Behinderteneinrichtung in der Pension untergebracht und die Sicherungsarbeiten abgeschlossen.

"Bei diesem eher seltenem Ereignis eines Gebäudeeinsturzes konnte die hohe Schlagkraft der Rettungskräfte im Landkreis Aurich bewiesen werden", so die Kreisfeuerwehr Aurich. Binnen kürzester Zeit seien alle Rettungsmittel vor Ort gewesen, es sei Hand in Hand gearbeitet worden. Als besonders hilfreich hätten sich die vielen Einsatzübungen und Vorstellungen der Feuerwehr in der Wohneinrichtung erwiesen. "Denn die Bewohner kannten die Einsatzkleidung der Feuerwehr und reagierten positiv in der Krisensituation auf diese." Allerdings sei auch besonders die ruhige und professionelle Arbeit der Angestellten der Wohneinrichtung hervorzuheben, sowie die enorme Hilfsbereitschaft der Anwohner und der Pension Ubben.

Feuerwehrleute bei der Bergung von Pflegebetten. Foto: Kreisfeuerwehr Aurich

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